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In der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts wurden fast
nur Zeitung lesende Männer auf Leinwand gebannt, so gut wie nie jedoch
Frauen. Die Studie Nr. 3 der Beiträge zur Zeitung in der Kunst des
Göttinger Instituts für Presseforschung zeigt zunächst, dass Zeitung
lesende Frauen sehr weitgehend aus der künstlerischen Produktion
ausgeblendet wurden. Zeitungen waren zunächst ein rein männlicher Lesestoff.
Dieser männlichen Konnotation
des Zeitunglesens lagen gesellschaftlichen Mechanismen zugrunde, die auf
das sich im 19. Jahrhundert etablierende bürgerliche Familienbild
zurückgingen. Dazu gehörte, dass der Aktionsrahmen von Frauen auf den
Familienhaushalt begrenzt wurde. Der Konsum von Zeitungen war - wie
überhaupt die Beschäftigung mit politischen Angelegenheiten - eine allein
Männern vorbehaltene Aktivität.
Dieser Geschlechtergegensatz
brach zwar mit den 1848er Revolutionen auf, ersumpfblühte jedoch nach deren
Scheitern deutlich stärker als je zuvor. Deutsche Staaten verhängten nun
gegen Frauen nicht nur ein offizielles, gesetzliches Politikverbot, sondern
in der Kunstgeschichte tauchten nun auch Bilder auf, die Zeitungsleserinnen
explizit misogyn abwerteten. Philosophen bezeichneten Frauen als Haustiere
und Triebtäterinnen, die aus angeblich biologischen Gründen nicht für
Zeitungen geeignet seien. Diese Verschärfung war eine Abwehrreaktion auf
die im 19. entstehende Frauenbewegung.
Das dichotome Geschlechterbild
änderte sich ein wenig im Verlaufe des Ersten Weltkriegs, als die Hausväter
zum Kämpfen an die Front geschickt wurden. Da die abwesenden Männer ihre
Rolle als Familienvormund nicht mehr übernehmen konnten, trat Vater Staat
an deren Stelle. Nun entstanden Bilder, die Frauen ausdrücklich zum
Zeitunglesen animierten, um sie der staatlichen Propaganda aussetzen zu
können.
Erst die Etablierung der
Weimarer Republik 1918/19 verbesserte die Lage der Frauen. Sie erhielten
nun politische Mitbestimmung und das Wahlrecht gewährt. Mit der
revolutionären Veränderung ging zudem das Entstehen der sog. Neuen Frau
einher, die selbstverständlich Zeitung las. In diesem Zuge entdeckte auch
die Malerei das weibliche Zeitunglesen.
Hier
findet sich der ausführliche Beitrag aus ZeiKunst 3 (2025)
28.9.2025
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Abbildung:
Hans Hassenteufel, Die Morgenzeitung (1929). Foto: Ketterer Kunst,
München.
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